Altes Wissen, neu belebt – wie Terra Preta Bokashi unseren Boden erneuert

Bokashi altes Wissen und Terra Preta-Techniken haben tiefe historische Wurzeln, die über 1.000 Jahre zurückreichen. Tatsächlich zeigen Forschungen, dass indigene Völker im Amazonasgebiet eine Form von Terra Preta (“schwarze Erde”) nutzten, um unfruchtbare Böden in produktive Flächen zu verwandeln. Diese alten Methoden gewinnen heute an neuer Bedeutung, da wir nach nachhaltigen Lösungen für unsere Landwirtschaft suchen.

Die Vorteile dieser traditionellen Techniken sind beeindruckend. Die in Terra Preta enthaltene Pflanzenkohle (Biochar) kann das Fünffache ihres Eigengewichts an Wasser absorbieren und speichern. Darüber hinaus hat die Integration von Biochar in die Pflanzenproduktion in Studien die Ernteerträge um über 8% gesteigert. Was ist Bokashi eigentlich? Es handelt sich um eine fermentierte organische Masse, die zusammen mit Biochar und anderen Komponenten wie Jeevamrit zu einer verbesserten Bodenstruktur führt. Durch die Verwendung eines Bokashi-Eimers können wir diesen wertvollen Bodenhilfsstoff selbst herstellen.

In diesem Artikel werden wir uns damit beschäftigen, wie wir dieses alte Wissen neu beleben können, um unseren Boden zu regenerieren. Wir werden die Grundlagen von Bokashi und Terra Preta erklären, ihre Wirkungsweise verstehen und lernen, wie wir diese Methoden in unserem eigenen Garten anwenden können.

Warum gesunder Boden heute wichtiger ist denn je

Gesunder Boden ist die unscheinbare, aber unersetzliche Grundlage unseres Lebens auf der Erde. Während wir oft nur die Pflanzen sehen, die auf ihm wachsen, spielt sich unter unseren Füßen ein komplexes Ökosystem ab, dessen Bedeutung wir erst jetzt vollständig zu verstehen beginnen.

Boden als Grundlage für Ernährung und Klima

Es ist kaum vorstellbar, aber etwa 50% der weltweiten biologischen Vielfalt befindet sich im Boden. Diese reiche Vielfalt ist kein Zufall, sondern die Voraussetzung für unsere Ernährungssicherheit. Tatsächlich sind etwa 95% der Nahrungsmittel, die wir konsumieren, auf gesunden Boden angewiesen.

Darüber hinaus übernimmt ein gesunder Boden lebenswichtige Funktionen für unser Klima. Als zweitgrößter Kohlenstoffspeicher der Welt bindet er enorme Mengen an CO₂ und trägt so maßgeblich zur Regulierung des Klimasystems bei. Nach den Ozeanen ist er der bedeutendste Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Den Artikel finden Sie unter https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/laendliche-entwicklung-foerdern/bodendegradation

Zusätzlich bietet er uns weitere unverzichtbare Leistungen:

  • Er filtert Regenwasser auf natürliche Weise so, dass es als Trinkwasser genutzt werden kann
  • Er verbessert durch seine Struktur die Wasserspeicherung und mindert so die Auswirkungen von Dürren und Überschwemmungen
  • Er liefert essenzielle Nährstoffe für Pflanzenwachstum und erhöht die landwirtschaftliche Produktivität

Eine Studie hat gezeigt, dass allein in Deutschland eine Erhöhung der organischen Bodensubstanz um nur ein Prozent über zehn Jahre zu wirtschaftlichen Gewinnen von etwa 14,7 Milliarden Euro pro Jahr führen könnte. Dennoch unterschätzen wir oft seinen Wert.

Probleme durch Erosion, Monokultur und Chemie

Allerdings steht es um unsere Böden weltweit nicht gut. Etwa ein Drittel der globalen landwirtschaftlich nutzbaren Böden sind bereits degradiert, und in der EU sind bis zu 70% der Böden in keinem guten Zustand. Dies betrifft mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung – etwa 1,5 Milliarden Menschen – direkt.

Die Ursachen für diese Verschlechterung sind vielfältig. Besonders problematisch sind Monokulturen, die den Boden einseitig belasten. Durch den wiederholten Anbau derselben Pflanzenart werden bestimmte Nährstoffe aus dem Boden einseitig entzogen, was langfristig zu schwerwiegendem Nährstoffmangel führt.

Infolgedessen werden vermehrt chemische Dünger und Pestizide eingesetzt, die zwar kurzfristig Erträge steigern, langfristig jedoch die Bodenqualität und das Grundwasser beeinträchtigen. Diese kontinuierliche Belastung vermindert die mikrobielle Vielfalt, welche für einen gesunden Boden essentiell ist.

Zudem leiden viele landwirtschaftliche Flächen unter Bodenerosion. Schätzungsweise 60-80 Prozent der weltweiten Bodenerosion gehen zu unseren Lasten. Jedes Jahr gehen dadurch circa zehn Millionen Hektar Ackerböden verloren – ungefähr ein Drittel der Fläche von Deutschland. Ein eindrückliches Beispiel ist die “Staub-Schüssel”-Katastrophe in den USA der 1930er Jahre, als durch Monokultur ausgelaugte Böden bei Dürre einfach weggeweht wurden.

Rückbesinnung auf traditionelle Methoden

Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklung gewinnen traditionelle Bodenpflegemethoden wieder an Bedeutung. Bokashi altes Wissen, das seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen existiert, zeigt eindrucksvoll, wie organische Substanzen durch Fermentation zu wertvollem Bodendünger werden können.

Ein landwirtschaftliches System, das den Verlust von Ackerland verhindert und gleichzeitig degradiertes Land regeneriert, ist die sogenannte konservierende Landwirtschaft. Sie fördert die dauerhafte Bodenbedeckung, minimale Bodenstörung sowie die Diversifizierung von Pflanzenarten – Prinzipien, die auch in der traditionellen Anwendung von Bokashi und Terra Preta wiederzufinden sind.

In verschiedenen Projekten weltweit zeigt sich bereits, wie diese alten Methoden neu interpretiert werden können. In Kenia beispielsweise verbessern Bauern ihre Ernten durch Wurmkompostierung, Kalkung und Agroforstwirtschaft um durchschnittlich fast die Hälfte. Die nachhaltige Bodennutzung schafft so Ernährungssicherheit und erhöht die Resilienz gegen Dürren und die Folgen des Klimawandels.

Die Gründüngung, ein weiterer wichtiger Baustein traditioneller Bodenpflege, schützt vor Erosion, Verschlämmung und Verkrustung. Sie bindet vorhandene Nährstoffe, fördert das Bodenleben und verbessert die Wasserhaltefähigkeit – alles Eigenschaften, die in Zeiten des Klimawandels an Bedeutung gewinnen.

Der Weg zurück zu gesunden Böden führt uns also paradoxerweise nach vorne – indem wir altes Wissen wie Bokashi mit modernem Verständnis kombinieren, können wir die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft schaffen.

Was ist Bokashi?

Der fermentierte Schatz aus der Küche – so könnte man Bokashi treffend beschreiben. Dieses besondere Verfahren verwandelt Küchenabfälle in wertvollen Dünger, ohne dass unangenehme Gerüche entstehen. Doch was genau steckt hinter diesem Begriff, der in Deutschland immer mehr Gärtnerhaushalte erobert?

Bokashi Geschichte und Ursprung

Das Wort Bokashi stammt aus dem Japanischen und bedeutet wörtlich übersetzt „verwischen” oder „verschwimmen”. Andere Quellen interpretieren es als „schrittweise umsetzen” oder „fermentiertes Allerlei”. Ursprünglich entwickelte sich diese Methode in Japan, dem Land, wo viele Menschen auf engstem Raum leben. Dort suchte man nach einer effizienten Lösung, Biomüll auch in kleinen Wohnungen in Dünger umzuwandeln.

Eine Schlüsselfigur in der modernen Bokashi-Geschichte ist der japanische Forscher Teruo Higa, der Ende der 1960er Jahre begann, mit bestimmten Mikroorganismen zu experimentieren. Sein Ziel war die Entwicklung vollkommen biologischer, chemiefreier Pflanzenhilfsmittel. Die erste Version seiner Effektiven Mikroorganismen (EM) wurde in den 1980er Jahren unter dem Namen EM-1 auf den Markt gebracht.

Bokashi vs. klassischer Kompost

Der grundlegende Unterschied zwischen Bokashi und traditionellem Kompost liegt im Prozess: Während beim Kompostieren eine aerobe Zersetzung stattfindet, die Sauerstoff benötigt, ist Bokashi ein anaerober Fermentierungsprozess. Denken Sie an Sauerkraut – dasselbe Prinzip kommt bei Bokashi zum Einsatz.

Bei der Kompostierung muss regelmäßig umgeschichtet werden, um Sauerstoff einzubringen. Dies führt zu Wärmeentwicklung, wobei wertvolle Nährstoffe verloren gehen können. Außerdem dauert die klassische Kompostierung deutlich länger – etwa 4-6 Monate oder mehr. Bokashi hingegen ist bereits nach 2-3 Wochen fertig und produziert kaum unangenehme Gerüche.

Ein weiterer bemerkenswerter Vorteil: Während beim Kompost viel Masse durch die Verrottung verloren geht, bleibt beim Bokashi mehr Material und vor allem mehr pflanzenverfügbare Nährstoffe erhalten. Darüber hinaus fallen beim Fermentationsprozess wertvolle Flüssigdünger an, die sofort verwendet werden können.

Was gehört in den Bokashi-Eimer?

Grundsätzlich kann fast alles, was in der Küche und im Garten anfällt, in den Bokashi-Eimer:

  • Obst- und Gemüsereste
  • Kaffeesatz und Teeblätter
  • Pflanzenreste und zerkleinerte Gartenabfälle
  • In kleineren Mengen auch gekochte Speisereste

Allerdings gibt es einige Materialien, die nicht in den Eimer gehören:

  • Flüssigkeiten wie Fette, Öle oder Milch
  • Papier, Holz, Sägemehl und Asche
  • Stark verschimmelte Lebensmittel

Bei tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch oder Käse scheiden sich die Geister. Theoretisch können sie fermentiert werden, jedoch deutlich langsamer und mit dem Risiko, Ungeziefer anzulocken. Für Anfänger empfiehlt es sich daher, auf diese zu verzichten.

Wichtig ist, dass alle Abfälle möglichst zerkleinert werden – idealerweise auf die Größe eines Zwei-Euro-Stücks. Dies beschleunigt den Fermentationsprozess erheblich.

Bokashi Waldgeister und Mikroorganismen

Das Herzstück des Bokashi-Verfahrens sind die Effektiven Mikroorganismen (EM). Hierbei handelt es sich um eine spezielle Mischung aus Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien. Diese Mikroorganismen lenken den Fermentationsprozess in die gewünschte Richtung und verhindern Fäulnis.

Die EM-Lösung kann fertig gekauft werden, beispielsweise bei Anbietern wie der Em Schweiz AG oder den Waldgeistern, die sich auf die Herstellung und Verbreitung von Bokashi-Produkten spezialisiert haben.

Durch den Einsatz dieser speziellen Mikroorganismen entstehen bei der Fermentation zahlreiche wertvolle Substanzen wie Vitamine, Enzyme und bioaktive Verbindungen. Diese unterstützen das Pflanzenwachstum optimal und machen Bokashi zu mehr als nur einem Dünger – er ist ein Bodenaktivator, der das mikrobielle Leben im Boden fördert.

Entscheidend ist der saure pH-Wert unter 4, den die Milchsäurebakterien erzeugen. Dadurch werden Fäulniserreger unterdrückt und unangenehme Gerüche verhindert. Wenn der fertige Bokashi nach Sauerkraut riecht, ist alles richtig gelaufen.

Terra Preta: Das schwarze Gold der Amazonas-Kulturen

Im Herzen des Amazonasgebietes verbirgt sich ein Geheimnis, das erst in den 1960er Jahren von Forschern entdeckt wurde: tiefschwarze, fruchtbare Erde inmitten unfruchtbarer tropischer Böden. Diese als Terra Preta (portugiesisch für “schwarze Erde”) bekannte Bodenart ist kein Naturprodukt, sondern das Ergebnis menschlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit.

Was ist Terra Preta?

Terra Preta, wissenschaftlich als “Pretic Anthrosol” bezeichnet, ist ein anthropogener Boden mit erstaunlichen Eigenschaften. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tropenböden besticht Terra Preta durch:

  • Tiefschwarze Färbung durch hohen Kohlenstoffgehalt
  • Enorme Fruchtbarkeit ohne zusätzliche Düngung
  • Mächtigkeit von bis zu zwei Metern
  • Außergewöhnliche Fähigkeit, Nährstoffe zu speichern

Die Zusammensetzung dieser besonderen Erde ist faszinierend vielfältig. Sie besteht hauptsächlich aus einer Mischung von Holz- und Pflanzenkohle, menschlichen Fäkalien, Tierdung und Kompost, durchsetzt mit Tonscherben, Knochen und Fischgräten. Diese Kombination macht sie unglaublich nährstoffreich – sie enthält durchschnittlich 250 t/ha organischen Kohlenstoff, dreimal mehr als umliegende Böden.

Besonders bemerkenswert: Terra Preta speichert etwa doppelt so viel Stickstoff (17 t/ha) und sogar viermal so viel Phosphor (13 t/ha) wie die umliegenden Ferralsole. Diese Nährstoffdichte erklärt ihre außergewöhnliche Fruchtbarkeit und Nachhaltigkeit.

Historische Nutzung durch indigene Völker

Die Terra-Preta-Böden wurden nicht zufällig erschaffen. Sie sind das Ergebnis einer hochentwickelten Bewirtschaftungspraxis indigener Völker, die vor 2.500 bis 7.000 Jahren im Amazonasgebiet lebten. Entgegen früherer Annahmen beherbergten diese Regionen keine kleinen, isolierten Gemeinschaften, sondern eine beeindruckende Hochkultur.

Tatsächlich deuten archäologische Funde darauf hin, dass vor der Ankunft europäischer Eroberer etwa 5 bis 25 Millionen Menschen in großen Städten entlang des Amazonas und seiner Nebenflüsse lebten. Diese erstaunlich hohe Bevölkerungsdichte war nur möglich dank Terra Preta, die den sonst nährstoffarmen Regenwaldboden fruchtbar machte.

Die meisten dieser schwarzen Böden entstanden zwischen 700 und 1000 n. Chr., manche datieren jedoch weit vor Beginn unserer Zeitrechnung. Die präkolumbischen Gesellschaften entwickelten ein komplexes System nachhaltiger Landwirtschaft, das auch ausgeklügelte Be- und Entwässerungssysteme umfasste.

Interessanterweise verfolgten die indigenen Völker einen ganzheitlichen Ansatz: Die Herstellung von Terra Preta löste nicht nur ihr Abfallproblem im feucht-heißen Klima des Amazonas, sondern hielt zusätzlich das Wasser sauber – beides überlebenswichtige Faktoren.

Rolle von Pflanzenkohle (Biochar)

Das Herzstück der Terra Preta ist zweifellos die Pflanzenkohle, die etwa 20% des gesamten Kohlenstoffs ausmacht. Sie entsteht durch kontrollierte Verbrennung organischen Materials unter Sauerstoffabschluss und zeichnet sich durch eine poröse Struktur aus.

Dank ihrer enormen Oberfläche (200-500 m²/g) bietet die Pflanzenkohle ideale Bedingungen für Mikroorganismen. Sie wirkt wie ein Schwamm, der Wasser und Nährstoffe speichert und nach Bedarf an die Pflanzen abgibt.

Darüber hinaus trägt die Pflanzenkohle maßgeblich zur Langlebigkeit der Terra Preta bei. Mit einer Abbauzeit von etwa 2.000 Jahren bleibt der Kohlenstoff über Jahrhunderte im Boden gebunden, was nicht nur die Bodenfruchtbarkeit erhält, sondern gleichzeitig CO₂ langfristig speichert.

Auffällig ist überdies die Regenerationsfähigkeit dieser Böden. Wird Terra Preta bis auf einen Rest abgetragen, erreicht sie ohne äußeres Zutun nach mehreren Jahren wieder ihre ursprüngliche Mächtigkeit. Diese Eigenschaft machte sie zu einer wahrhaft nachhaltigen Ressource.

Die Verbindung zur Bokashi-Methode liegt auf der Hand: Beide Techniken nutzen Fermentation und mikrobielle Aktivität, um organische Materialien in wertvolle Bodenverbesserer umzuwandeln. Während Bokashi schnell Nährstoffe liefert, bietet Terra Preta mit ihrer Pflanzenkohle langfristige Strukturverbesserung – gemeinsam das perfekte Duo für gesunde Böden.

Wie Bokashi und Terra Preta zusammenwirken

Eine perfekte Symbiose entsteht, wenn traditionelle Fermentationstechnik auf moderne Bodenverbesserung trifft. Terra Preta Bokashi, eine innovative Methode zur Bodenverbesserung, basiert auf der Kombination von Pflanzenkohle und Effektiven Mikroorganismen (EM), die zusammen ein komplexes Ökosystem im Boden bilden.

Bokashi als Nährstoffquelle

Die mikrobiologische Komponente spielt eine entscheidende Rolle bei der Wirksamkeit von Terra Preta Bokashi. Während des Fermentationsprozesses arbeiten hauptsächlich milchsäurebildende Bakterien an der kontrollierten Umwandlung des organischen Materials. Im Gegensatz zur klassischen Kompostierung, bei der durch Verrottung viel Masse verloren geht, bleiben beim Bokashi-Verfahren deutlich mehr pflanzenverfügbare Nährstoffe erhalten.

Der fertige Bokashi ist tatsächlich ein Volldünger mit bemerkenswerter Langzeitwirkung. Er versorgt Pflanzen nicht nur mit essentiellen Nährstoffen, sondern fungiert gleichzeitig als natürlicher Bodenaktivator. Besonders wertvoll: Der während der Fermentation anfallende Sickersaft kann in einer Verdünnung von 1:200 direkt als flüssiger Pflanzendünger verwendet werden.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Struktur des fermentierten Materials. Da bei der Fermentierung das aus Kohlenstoff bestehende Gerüst der Ausgangsstoffe weitgehend erhalten bleibt, wirkt Bokashi als echter Langzeitdünger und bindet nebenbei das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid im Boden.

Biochar als Strukturgeber

Die Pflanzenkohle in Terra Preta Bokashi übernimmt primär die Rolle des Strukturgebers. Mit ihrer enormen inneren Oberfläche von 300-400 m²/g bietet sie einen idealen Lebensraum für Mikroorganismen. Diese poröse Struktur verbessert maßgeblich die physikalischen Eigenschaften des Bodens.

Besonders bemerkenswert: Die Pflanzenkohle verrottet nicht im Boden, sondern trägt zum nachhaltigen Humusaufbau bei. Humusreiche Böden zeichnen sich durch höhere Erträge aus und können Feuchtigkeit deutlich besser speichern – ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten zunehmender Wetterextreme.

Die Kombination mit Effektiven Mikroorganismen verbessert die Nährstoffretention und -verfügbarkeit auf mehrere Arten:

  • Die poröse Struktur der Pflanzenkohle ermöglicht eine effiziente Speicherung von Nährstoffen und verhindert deren Auswaschung
  • Die auf der Pflanzenkohle angesiedelten Mikroorganismen unterstützen die Umwandlung organischer Substanzen in pflanzenverfügbare Nährstoffe

Allerdings weist der BUND-Arbeitskreis Bodenschutz darauf hin, dass Pflanzenkohle allein das Humusdefizit unserer Böden nicht lösen kann, da sie keine angemessene Nahrungsquelle für alle Bodenorganismen darstellt. Dennoch ist sie in Kombination mit Bokashi äußerst wirksam.

Optimale Mischung für fruchtbare Böden

Terra Preta Bokashi besteht typischerweise aus einer mit EM und Zuckerrohrmelasse fermentierten Mischung aus Weizenkleie, Pflanzenkohle und EM-Keramik-Pulver. Während der Fermentation wird die Pflanzenkohle mit Mikroorganismen besiedelt, was zu einer Voraktivierung führt.

Für die Anwendung im Garten gelten folgende Richtwerte: 0,5-1 kg pro m² und Jahr, verteilt auf zwei Gaben, bei Gemüsebeeten, Erdbeeren, Blumen und Rosen. Bei Beerensträuchern, Obstbäumen und Ziergehölzen empfiehlt sich die Gabe von 2-3 Handvoll je Pflanzloch. Für Balkon- und Topfpflanzen reicht eine Beimischung von etwa 5% zur Pflanzenerde.

Manche Gärtner schwören zudem auf zusätzliche Veredelungen des Grundrezepts. Mit biologischen Zugaben wie Urgesteinsmehl oder weiteren Kohlenpulvern lässt sich die Wirkung noch steigern. Für den Kompostaufbau eignen sich 5-10 kg Terra Preta Bokashi pro m³ Kompost.

Das Besondere dieser Kombination: Die Pflanzenkohle ist das Medium, in deren Struktur mit Hilfe mikrobieller Prozesse Nährstoffe gespeichert werden. Diese werden gepuffert, bis Pflanzen einen Nährstoffbedarf “melden” – dann erst werden die Nährstoffe über die Mikrobiologie wieder freigegeben. Dieses Prinzip der Nährstoffaufnahme und -abgabe kann praktisch unendlich wiederholt werden.

So stellst du Terra Preta mit Bokashi selbst her

Nach all der Theorie wird es jetzt praktisch: Mit den richtigen Zutaten und etwas Geduld kannst du deine eigene Terra Preta herstellen. Die Kombination aus Bokashi-Fermentation und Pflanzenkohle schafft einen Bodenverbesserer, der deinem Garten neues Leben einhaucht.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Der Weg zur selbstgemachten Terra Preta beginnt in deiner Küche:

  1. Sammle Küchenabfälle: Schneide Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz und andere organische Materialien klein – idealerweise auf die Größe eines 2-Euro-Stücks. Sammle diese zunächst in einer kleinen Dose (etwa 2 Liter), bevor du sie in den Bokashi-Eimer gibst.
  2. Schichtweiser Aufbau: Gib alle 2-3 Tage eine Lage der gesammelten Abfälle in den luftdicht verschließbaren Bokashi-Eimer. Bei jeder frischen Schicht bringst du eine Handvoll RoPro Streu (Pflanzenkohle-Mischung) sowie etwas Urgesteinsmehl auf und besprühst alles mit der EM-Lösung (Kompost Starter).
  3. Verdichten und verschließen: Drücke jede neue Schicht gut fest, um möglichst wenig Luft einzuschließen. Nach dem Befüllen den Eimer stets luftdicht verschließen. Für zusätzlichen Druck eignet sich eine mit Sand gefüllte Plastiktüte als Beschwerung.
  4. Sickersaft abzapfen: Alle paar Tage den entstehenden Sickersaft über den Ablaufhahn ablassen. Dieser lässt sich 1:10 mit Wasser verdünnt als wertvoller Flüssigdünger verwenden.
  5. Reifephase: Ist der Eimer voll, lass ihn zwei bis drei Wochen bei mindestens 15°C stehen. Der fertige Bokashi riecht säuerlich wie Sauerkraut und hat einen pH-Wert unter 4.
  6. Terra Preta Herstellung: Den fermentierten Bokashi kannst du nun mit reifem Kompost mischen. Eine optimale Mischung besteht aus etwa 80% Kompost und 20% Bokashi mit Pflanzenkohle.

Wichtige Zutaten und Werkzeuge

Für die Herstellung deiner eigenen Terra Preta benötigst du folgende Komponenten:

  • Bokashi-Eimer: Ein luftdicht schließender Behälter mit Ablaufhahn und idealerweise einem Siebeinsatz. Zwei Eimer zum abwechselnden Befüllen sind praktisch.
  • EM-Lösung: Effektive Mikroorganismen, verdünnt im Verhältnis 1:10 mit Wasser. Diese Mikroorganismen-Mischung leitet die Fermentation ein.
  • Pflanzenkohle-Mischung: Für Terra Preta ist Pflanzenkohle unverzichtbar. Sie kann etwa 10-15% der Gesamtmischung ausmachen. Eine fertige Mischung wie Terra Preta Bokashi der EM Schweiz AG besteht aus Weizenkleie, Biokohle und EM-Keramik-Pulver, die bereits mit EM und Zuckerrohrmelasse fermentiert wurde.
  • Urgesteinsmehl: Fördert die Mineralstoffversorgung und unterstützt die Bodenstruktur.
  • Kompost: Für die finale Mischung benötigst du reifen Kompost als Basis.

Ferner brauchst du einen Regengeschützten Ort oder einen nach unten offenen Komposter für die spätere Sammlung und Reifung des Materials.

Reifung und Anwendung im Garten

Nach der Fermentation ist der Bokashi noch nicht direkt als Dünger einsetzbar. Zunächst muss er in Erde eingearbeitet werden:

  1. Einarbeiten und Reifen lassen: Mische den fermentierten Bokashi mit Kompost und lasse ihn etwa 2-3 Wochen ruhen, damit sich der saure pH-Wert neutralisieren kann. Anderenfalls könnten Pflanzenwurzeln “verbrennen”.
  2. Reifeprozess: Der vollständige Reifeprozess bis zur echten Terra Preta dauert etwa 4-6 Monate. In dieser Zeit sollte das Material regengeschützt gelagert werden, bis keine organischen Bestandteile mehr sichtbar sind.
  3. Anwendungsmengen: Für Gemüsebeete, Erdbeeren, Blumen und Rosen empfiehlt sich eine Gabe von 0,5-1 kg pro m², verteilt auf zwei Anwendungen pro Jahr. Bei Obstbäumen und Beerensträuchern gibt man 2-3 Handvoll je Pflanzloch.
  4. Anwendungszeitpunkt: Die beste Zeit für die Anwendung ist das Frühjahr, etwa zwei Wochen vor der Bepflanzung, sowie der Spätherbst.
  5. Spezialanwendungen: Für Balkon- und Topfpflanzen reichen etwa 5% Terra Preta Bokashi zur Pflanzenerde.

Die Pflanzenkohle im fertigen Terra Preta Bokashi verrottet übrigens nicht im Boden, sondern dient dem nachhaltigen Humusaufbau. Dadurch werden Böden ertragreicher und können Feuchtigkeit besser speichern – ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten zunehmender Wetterextreme.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und globale Relevanz

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre haben das Potenzial von Terra Preta Bokashi bestätigt. Was einst als alternative Gartenmethode galt, entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil nachhaltiger Landwirtschaft.

Studien zu Ertragssteigerung und CO2-Bindung

Mehrere Metastudien belegen eine durchschnittliche globale Ertragssteigerung von etwa 20% durch Terra Preta Bokashi. Die Wirksamkeit variiert allerdings je nach Bodentyp erheblich. Während in der Schweiz bisher keine signifikanten Ertragssteigerungen nachgewiesen wurden, zeigen tiefgründig verwitterte tropische Böden beeindruckende Verbesserungen. In Nepal wurden bei Kürbissen Ertragssteigerungen von über 300% dokumentiert, in Tansania bei Mais sogar 400%.

Darüber hinaus könnte die konsequente Anwendung von Pflanzenkohle laut Professor Bruno Glaser bis zu 10% der europäischen CO2-Emissionen einsparen. Bei der Pyrolyse werden 30-50% des pflanzlichen Kohlenstoffs in stabile Strukturen umgewandelt. Tatsächlich könnten in der Schweiz bis 2050 jährlich bis zu 4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gebunden werden – das entspricht 80% der dann noch verbleibenden Treibhausgasemissionen des Landes.

Projekte in Afrika, Indien und Europa

Dass Terra Preta nicht nur in klimatisch mit dem Amazonasgebiet vergleichbaren Gebieten funktioniert, beweisen Projekte in Ghana, Australien, Japan, Südkorea, Skandinavien und Berlin. Im Botanischen Garten Berlin gelang es, die Treibhausgas-Emissionen innerhalb eines Jahres von 130 Tonnen auf minus 69 Tonnen zu senken.

Besonders in Brandenburg nutzt man Terra Preta zur Rekultivierung von 120.000 Hektar ehemaliger Militärflächen, die durch Schadstoffbelastung kaum nutzbar sind. Die humusaufbauende Wirkung bietet diesen Kippflächen eine Basis für spätere Nutzung.

Em Schweiz AG und andere Initiativen

Die Em Schweiz AG hat sich als Pionier für Terra Preta Bokashi etabliert und bietet fertige Produkte an. Ebenfalls bemerkenswert ist die Arbeit der Ökoregion Kaindorf, die einen privaten CO2-Zertifikatehandel entwickelt hat: Landwirte erhalten dort Geld für nachgewiesene Kohlenstoffsenken durch Humusaufbau.

Ein anschauliches Beispiel liefert der Schweizer Hof Wies: Anstatt der üblichen Emissionen von 115 Tonnen CO2-Äquivalenten entzieht dieser Betrieb jährlich 380 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre – und kompensiert damit die Emissionen von 65 Schweizer Bürgern.

Fazit: Altes Wissen für eine nachhaltige Zukunft

Die Wiederentdeckung alter Weisheiten wie Terra Preta und Bokashi zeigt uns deutlich, dass wertvolles Wissen oft durch die Jahrhunderte hindurch bewahrt wurde. Tatsächlich stehen wir heute an einem Wendepunkt, an dem traditionelle Methoden mit modernem wissenschaftlichen Verständnis zusammenfließen und dadurch noch wirksamer werden.

Die Kombination aus Bokashi-Fermentation und Pflanzenkohle bietet uns einen bemerkenswerten Weg, unsere erschöpften Böden zu regenerieren. Während Bokashi schnell verfügbare Nährstoffe liefert, sorgt die Pflanzenkohle für langfristige Bodenverbesserung und CO2-Bindung. Diese Symbiose schafft nicht nur fruchtbarere Gärten, sondern trägt gleichzeitig zum Klimaschutz bei.

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass wir diese Methoden ohne großen Aufwand selbst umsetzen können. Mit einem Bokashi-Eimer und etwas Pflanzenkohle verwandeln wir Küchenabfälle in wertvolle Ressourcen anstatt sie zu entsorgen. Dadurch schließen wir lokale Kreisläufe und reduzieren unseren ökologischen Fußabdruck.

Die weltweiten Projekte und wissenschaftlichen Studien belegen zweifellos das enorme Potenzial dieser Methode. Während in tropischen Regionen Ertragssteigerungen von mehreren hundert Prozent dokumentiert wurden, zeigt sich auch in gemäßigten Klimazonen wie Deutschland die positive Wirkung auf Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau.

Natürlich ersetzt Terra Preta Bokashi allein nicht alle notwendigen Maßnahmen für nachhaltige Landwirtschaft. Dennoch stellt diese Methode einen wichtigen Baustein für die Bodenregeneration dar – zugänglich für jeden Hobbygärtner bis hin zum professionellen Landwirt.

Als Gesellschaft beginnen wir allmählich zu verstehen, dass unsere Zukunft maßgeblich von gesunden Böden abhängt. Die “schwarze Erde” erinnert uns daran, dass manchmal die besten Lösungen für moderne Probleme in altem Wissen verborgen liegen. Wenn wir diese Weisheit mit heutigen Erkenntnissen verbinden, können wir den Kreislauf des Lebens stärken und wieder in Einklang mit der Natur leben.

Fangen wir also an – ein Bokashi-Eimer nach dem anderen, ein Garten nach dem anderen – und gemeinsam können wir die Gesundheit unserer Böden wiederherstellen, für uns und für kommende Generationen.

FAQs

Q1. Wie funktioniert die Herstellung von Terra Preta Bokashi? Terra Preta Bokashi wird durch die Fermentation organischer Abfälle mit effektiven Mikroorganismen und Pflanzenkohle hergestellt. Die Materialien werden schichtweise in einem luftdichten Behälter aufgebaut und etwa 2-3 Wochen fermentiert. Anschließend wird das Ferment mit Kompost gemischt und weiter reifen gelassen.

Q2. Welche Vorteile bietet Terra Preta Bokashi für den Garten? Terra Preta Bokashi verbessert die Bodenfruchtbarkeit erheblich. Es speichert Wasser und Nährstoffe effizient, fördert das Bodenleben und kann die Erträge deutlich steigern. Besonders in trockenen Perioden zeigt sich der Vorteil durch die verbesserte Wasserspeicherkapazität des Bodens.

Q3. Gibt es Nachteile bei der Verwendung von Pflanzenkohle? Pflanzenkohle allein kann das Humusdefizit in Böden nicht ausgleichen, da sie keine ausreichende Nahrungsquelle für alle Bodenorganismen darstellt. Zudem sollte auf die Qualität der Pflanzenkohle geachtet werden, um eine Schadstoffbelastung zu vermeiden. Die Wirksamkeit kann je nach Bodentyp variieren.

Q4. Wie wirkt sich Terra Preta Bokashi auf die CO2-Bindung aus? Terra Preta Bokashi, insbesondere durch den Einsatz von Pflanzenkohle, kann erheblich zur CO2-Bindung beitragen. Studien zeigen, dass bis zu 10% der europäischen CO2-Emissionen eingespart werden könnten. Die stabile Kohlenstoffstruktur in der Pflanzenkohle bindet CO2 langfristig im Boden.

Q5. Wie unterscheidet sich Terra Preta Bokashi von herkömmlichem Kompost? Im Gegensatz zu herkömmlichem Kompost wird Terra Preta Bokashi durch Fermentation hergestellt, nicht durch Verrottung. Dies erhält mehr Nährstoffe und organische Substanz. Die Zugabe von Pflanzenkohle verbessert zusätzlich die Bodenstruktur und Nährstoffspeicherung. Terra Preta Bokashi wirkt langfristiger und fördert den Humusaufbau stärker als normaler Kompost.